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Anti-mikrobielle Lacke

Aufgrund der aktuell anhaltenden Corona-Krise und der damit verbundenen Angst vor Schmierinfektionen durch mit Viren kontaminierte Oberflächen, erhalten wir vermehrt Anfragen nach anti-bakteriellen und anti-viralen Lackoberflächen. Dies ist unter anderem auf die Medienpräsenz von Studien zurückzuführen, welche eine lange Überlebensfähigkeit von Coronaviren auf Oberflächen feststellen konnten.

 

Einige Unternehmen versuchen daher momentan, diese Angst vor Infektionen zu nutzen, indem sie anti-mikrobielle Lacke vermarkten. Verantwortungsvolle Unternehmen sollten in Zeiten der Krise aber neben wirtschaftlichen Interessen auch gesellschaftliche Belange nicht vernachlässigen. Wir als Plantag Coatings GmbH sehen uns daher in der Pflicht, unsere Kunden in Bezug auf anti-mikrobielle Lacke auf Basis unserer Erfahrungen aufzuklären.

 

Generell zeigt sich in den aktuellen Studien zur Überlebensfähigkeit von Coronaviren auf verschiedenen Oberflächen, dass die Angaben sehr stark in Bereichen zwischen zwei Stunden und bis zu 9 Tagen, variieren. Die Überlebensfähigkeit von Coronaviren ohne Wirtszellen hängt dabei von zahlreichen Faktoren ab, wie etwa der Menge der mit Viren kontaminierten Flüssigkeit, Umgebungsklima, UV-Strahlung sowie der Beschaffenheit der Oberfläche. Eine direkte Übertragung der Studien auf die Praxis ist daher nur bedingt möglich.

 

In unseren Gesprächen mit Kunden über anti-mikrobieller Lacke, stellen wir fest, dass es oft bereits einen großen Klärungsbedarf bei der Unterscheidung zwischen anti-viraler und anti-bakterieller Wirkung gibt. Hier ist eine genaue Definition wichtig, da die Wirkungsweisen von Bakterien und Viren sich prinzipiell stark unterscheiden. Im Gegensatz zu Bakterien, welche sich mit einem geeigneten Nährboden auf der Oberfläche stark vermehren können, verfügen Viren nicht über einen eigenen Stoffwechsel und können sich somit außerhalb eines Wirtsorganismus nicht vermehren. Viele anti-bakterielle Produkte wirken nur gegen Bakterien und nicht gegen Viren. Daher macht es auch keinen Sinn diese Produkte gegen das Coronavirus einzusetzen.

 

In solchen anti-bakteriell wirkenden Produkten kann auch nanoskaliges Silber zur Bakterienbekämpfung verwendet werden, dem neben der anti-bakteriellen auch eine anti-virale Wirkung zugeschrieben wird. Über die Unschädlichkeit dieser Nanopartikel für unsere Umwelt gibt es aktuell noch keine ausreichenden Erkenntnisse. Fest steht jedoch, dass es keine Unterscheidung zwischen nützlichen und schädlichen Bakterien bei deren Bekämpfung gibt.

 

Aus unseren eigenen Erfahrungen mit nanoskaligem Silber, welche wir durch externe Prüfungen unserer Produkte zum Thema „anti-mikrobielle Wirkung“ erlangt haben, konnten wir feststellen, dass selbst die unbehandelten Kontrolloberflächen bereits eine hohe anti-mikrobielle Wirkung haben.

 

In den Prüfungen nach der häufig zitierten Norm JIS Z 2801 konnten sowohl bei den mit anti-bakteriellen Wirkstoffen ausgestatteten Prüfmustern als auch bei den entsprechend „unausgestatteten“ Kontrollmustern eine Mikroben-Reduktion von über 99% in dem betrachteten Zeitraum von 24h festgestellt werden. Es ist daraus zu schließen, dass die geprüften Lackoberflächen bereits im Allgemeinen über Eigenschaften verfügen, die sich positiv bei der Bakterienbekämpfung auswirken. Dennoch kann es auf diesen Oberflächen zu starken Verunreinigungen kommen, welche zu einem möglicherweise gefährlichen Bakterienwachstum beitragen könnte. Hiervor können allerdings auch anti-bakterielle Lacksysteme nicht schützen.

 

Bei der Betrachtung von als „anti-viral“ oder „anti-bakteriell“ deklarierten Oberflächenbeschichtungen fällt zudem auf, dass trotz der Beschichtung eine regelmäßige Reinigung der Oberfläche von den Herstellern empfohlen wird. Zudem wird die 99,9%-Wirkung gegen Viren meist erst nach 8 Stunden ausgewiesen. Es ist also deutlich, dass auch sogenannte anti-mikrobielle Oberflächen genauso wie herkömmliche Lackoberflächen entsprechend der gängigen Hygienemaßnahmen gereinigt werden müssen. Der Nutzer kann sich also bei anti-mikrobiell ausgestatteten Oberflächen nur in einer vermeintlichen Sicherheit wiegen.

 

Zusätzlich zu diesen Punkten herrscht aktuell noch Unklarheit darüber, bis zu welchem Ausmaß das Coronavirus auf Oberflächen als potenziell gefährlich einzustufen ist und ob ein Stoff, wenn er gegen ein bestimmtes Virus wirkt, diese Wirkung auch gegen andere Viren entfaltet. Aus diesem Grund sind Aussagen zur anti-viralen Wirkung eines Produktes mit Vorsicht zu genießen.

 

Nachweislich wirksam gegen das Coronavirus sind hingegen eine häufige Reinigung der Oberflächen, sowie die gängigen Hygieneregeln wie regelmäßiges, gründliches Waschen der Hände. In der Praxis hat sich gezeigt, dass eine Reinigung mit handelsüblichen Spülmitteln und Seifen vollkommen ausreichend ist. Natürlich kann man auch die angebotenen Reinigungs- oder Desinfektionsmittel verwenden.

 

Wir hoffen deshalb, dass wir, in unserer Verantwortung als engagierter Partner im Bereich der Oberflächenbeschichtung darlegen konnten, warum wir vom Vertrieb von anti-viralen Lacksystemen aktuell absehen.

 

Wir wünschen einen gesunden und erfolgreichen Start ins neue Jahr.